Events

27 Fotografien, 50 × 75 cm, bzw. 75 × 50 cm
14 Fotografien, 24 × 16 cm
1 Fotografie, 252 × 317,5 cm
1 Fotografie, 280 × 180 cm


Pigmentdruck auf Wallpaper, Magnete

 

2024

There is an alternative explanation which cannot be excluded in principle although it is very improbable*

 

Die Arbeit EVENTS geht auf Spurensuche im Archiv des Kernphysikalischen Institutes der Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin-Zeuthen.


Ich beschäftige mich mit Archivmaterial zum Thema Kernspuremulsion, einer Technik aus der Teilchenphysik, die bis Anfang der 1950er Jahre verwendet wurde. Fotografisches Material wird mit Wetterballons in die Atmosphäre aufsteigen lassen, wo sich Teilchen aus kosmischer Strahlung als Spuren in die Fotoemulsion einschreiben.

* aus: The Study of Elementary Particles by the Photographic Method. Powell at al., 1959

 

Alle Bilder © Daniela Friebel / Archiv DESY Zeuthen

Text zur Ausstellung (Auszug)

von Babette Richter


Daniela Friebel geht auf eine wissenschaftliche, ästhetische und private Spurensuche im Archiv des Kern- physikalischen Institutes der Akademie der Wissenschaften (DDR, Berlin-Zeuthen Anfang der 1950er Jahre), in der ihr Vater früher gearbeitet hatte.

Sie verwendet Archivbilder und -filme, dokumentiert mit ihrer Kamera das wissenschaftliche Archiv- material, und dringt dabei in den Mikrokosmos einer Archivbox ein. Sie vergrößert, nimmt Details unter die Lupe und öffnet so einen rätselhaften Kosmos.
Als Fotografin hebt sie in ihrer Installation die Verbindung der Fotografie und Wissenschaft hervor. Der wissenschaftliche Prozess ist hier untrennbar mit der analogen Fotografie verbunden.

Daniela Friebel greift die Technik der Kernspurimulsion auf: Teilchen kosmischer Strahlung treffen auf- einander, reagieren und werden als direkte Spur in der Fotoemulsion sichtbar. In der Physik werden die Kollisionen „Events“/„Ereignis“ genannt. „Ereignis“ meint im Deutschen in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Geschehen, das vor Augen tritt, eräugt wird (ein „Eräugnis“). Demnach geht es um so mehr um das Betrachten und Sichtbarmachen von Geschehnissen.

Fotografie wurde als Fenster zur Realität beschrieben, eine unmittelbare Projektion, die das Außen nach Innen projizierte und die Realität als direkter Abdruck/Spur auf dem Papier bewahrte. Mit dem Foto- apparat wird Raum und Zeit festgehalten, dieser Moment als Dokument bewahrt und in ein greifbares, zu betrachtendes Bild verwandelt. Dabei verändert die Fotografie die Wirklichkeit, übersetzt und interpretiert sie. Gleich einer magischen Blackbox lässt Fotografie das Unsichtbare sichtbar werden.

Friebel wirft die Fragen auf, was wirklich existiert oder was uns verschlossen bleibt und was wir vielleicht übersehen. Wahrnehmung ist immer auch eine Umgestaltung, Interpretation, Filterung, Verschleierung und Vereinfachung von Wirklichkeit. Sie zeigt sich uns die Außenwelt nicht als solche, sondern als innere Projektion. Physikalisch betrachtet ist die Existenz / Realität ein ungewisser Zustand, diffus, bedeutungslos, zufällig, voller Ungereimtheiten, Fehler und Ungleichgewichte. Durch die Betrachtung binden wir das Unsichere und Unerklärliche in subjektive Geschichten und Ordnungssysteme ein.